20 Jahre Frauenberatungsstelle Oberpullendorf

Am 11. Oktober feirte die Frauenberatungsstelle Oberpullendorf ihren 20. Geburtstag im Haus St. Stephan in Oberpullenorf.

 

Entstanden ist die Frauenberatungsstelle aufgrund einer privaten Initiative von Frauen des Bezirkes, die sich im Rahmen eines VHS-Kurses kennen gelernt hatten. Erste gemeinsame Projekte waren eine Diskussionsgruppe über feministische Literatur, Gesprächsgruppen zu Frauen & Gesundheit, Frauen & Politik in verschiedenen Gemeinden des Bezirkes.

Nach dem Beispiel der Frauenberatungsstellen in Oberwart und Mattersburg wurde bei der Frauenministerin um Geld angesucht und schließlich unsere Einrichtung eröffnet. Die Gründungsfrauen waren Stefanie Holzleitner, Zlatka Vlasich-Mellisits, Christa Roch-Reisenauer, Astrid Mayerhofer und Doris Horvath. Es freut uns ganz besonders, dass mit Elisabeth Kappacher eine der Frauen aus dem Volkshochschul-Kurs von damals heute bei uns im Vereinsvorstand ist. Und so wie Elisabeth gibt es viele Frauen, die uns über die Jahre begleiten, mit uns wachsen und auch älter werden.

So wie viele Menschen in Oberpullendorf und im Bezirk wussten wir damals im Oktober 1992 auch nicht so genau, was auf uns zu kommen würde. Aber wir wussten, dass es ein Angebot für Frauen brauchte. Wo sie anonyme und kostenlose Beratung in Fragen alltäglicher Krisen bekommen konnten rund um die Themen Partnerschaft, Erziehung, Ängste, Überlastung, finanzielle Probleme, Gewalt in der Familie. Und wir wollten einen offenen Raum für Kommunikation, für die Entwicklung eigener Ideen zur Verfügung stellen.

1992 war die Zeit offensichtlich reif dafür, die Politik war bereit, Geld in gesellschaftspolitische Projekte zu stecken.  Die 80er und 90er Jahre waren auch die Zeit, in der viele der Forderungen der politischen Frauenbewegung umgesetzt wurden. Mit Johanna Dohnal als Frauenministerin gab es erstmals auch eine offizielle Regierungsverantwortliche für Frauenfragen mit eigenem Ressort und eigenem Budget – wenn auch verhältnismäßig gering dotiert.

Viele fragten uns damals, wo denn die Männerberatung bliebe? Darauf konnten wir immer nur antworten: JA, auch wir finden Männerberatung sinnvoll. Männer bitte geht und gründet sie. Mittlerweile gibt es auch im Burgenland die Männerberatungsstellen als etabliertes Angebot im sozialen Bereich.

Wir erkannten bald, dass wir unser Angebot erweitern mussten, zur psychologischen Beratung kamen die juristische Beratung und die psychosoziale Beratung dazu. Unsere erste Juristin war die gebürtige Oberpullendorferin Andrea Wukovits, als Rechtsanwältin in Wien eine der Koryphäen im Familienrecht. Sie stellte uns ihr Angebot jahrelang ohne jeden Kostenersatz zur Verfügung. Von Anfang an wurde ein guter Teil unserer Arbeit ehrenamtlich geleistet und auch wenn über die Jahre Vieles immer professioneller und damit auch finanziell besser abgesichert wurde, so sind wir doch immer noch auf ehrenamtliches Engagement unserer Vorstandsfrauen, unserer Mitarbeiterinnen, von Freundinnen und Freunden angewiesen.

Über die Jahre haben wir unser Angebot sukzessive erweitert. Zur Frauenberatung kam die Familienberatungsstelle dazu, bereits 1995 führten wir unser erstes EU-Projekt durch und 2002 starteten wir die höchst erfolgreiche Kooperation mit dem AMS. So können wir mittlerweile im Bereich der arbeitsmarktpolitischen Beratung gezielte Informationen anbieten,

- für Frauen, die lange vom Arbeitsmarkt weg waren,

- für Frauen, die nach einer Ausbildung im technisch-handwerlichen Bereich suchen,

- für Frauen die sich weiterbilden möchten

- für Frauen, die noch keine Ausbildung haben,

- oder auch für Frauen, die sich ihrer Kompetenzen und Stärken nicht sicher sind und sich orientieren möchten.

Zwei Drittel unserer Förderungen kommen mittlerweile vom AMS, d.h. dass auch zwei Drittel unserer Angebote vom AMS finanziert sind.

Von Anfang an war uns auch die Mädchenberatung ein besonderes Anliegen. Immer wieder haben wir Gruppen für Mädchen angeboten, haben viele Schulprojekte zu den Themen Gewaltprävention, Selbstvertrauen und Berufsorientierung durchgeführt. Wir waren in fast allen Volksschulen des Bezirkes, in allen HS und NMS, haben mit dem Gymnasium Oberpullendorf, der HAK & HAS OP und mit dem Polytechnischen Lehrgang gearbeitet. Besonders wichtig dabei die HAK Oberpullendorf und die NMS Großwarasdorf als besonders zuverlässige und interessierte Partnerinnen. Und es freut uns besonders, dass die Vereinten Nationen den 11. Oktober zum "International Day of the Girl Child" ernannt haben. [Weil vielen Mädchen bislang weltweit elementare Grundrechte vorenthalten werden: Von den rund 67 Millionen Kindern, die keine Schule besuchen, machen Mädchen weit mehr als die Hälfte aus.]

Eine weitere Erfolgsgeschichte sind unsere EU-Projekte. Wir nehmen derzeit am 12. internationalen Projekt teil, mit EU-Mitteln haben wir zusätzlich fünf Projekte vor Ort durchgeführt. Durch diese zusätzlichen finanziellen Mittel über die EU-Förderung konnten wir uns ein weiteres Standbein aufbauen und unser Angebot im Bereich der Erwachsenenbildung etablieren. Wir bieten

- Kurse zu Finanzcoaching für Frauen und Männer

- PC-Kurse für Seniorinnen und Senioren

- Berufsorientierungskurse und Kompetenzanalysen (in Zusammenarbeit mit der Bgld. VHS)

- Sprachkurse für Gruppen und Einzelpersonen >>> dabei möchte ich darauf hinweisen, dass unser erster Spanischkurs am folgen Mittwoch beginnt ☺☺☺

Neben den Beratungen wollten wir von Beginn an auch Gruppen und Vorträge für Frauen organisieren und anbieten. Es gab in diesen zwanzig Jahren rund 25 Angebote für Gruppen mit den verschiedensten Themen und ungezählte Vorträge. Wir konnten dazu namhafte Universitätsdozentinnen ebenso begrüßen wie z.B. Rotraud Perner oder Elfriede Hammerl. Wir haben Konzerte veranstaltet, Theater- und Kabarettabende – sehr gern und oft gemeinsam mit der KUGA und waren immer wieder zu Gast im Kino Oberpullendorf.

Unsere langjährigen Leseabende wurden mit großem Engagement gestaltet und immer wieder konnten wir Jutta Treiber zu unseren Vortragenden, Vor-Lesenden, Aktivistinnen zählen.

Zum Ende noch ein paar Zahlen, um unsere Entwicklung zu verdeutlichen:

Im ersten Jahr betrug unser Budget S 400.000,-- (Euro 29.250,--) 2012 sind es Euro 363.776,57.

Im ersten Jahr betrug die Arbeitszeit der Mitarbeiterinnen wöchentlich 30 Stunden. 2012 sind es 263.

Im ersten Jahr führten wir 396 Beratungs- und Informationsgespräche. 2011 waren es 6158.

 

 

Podiumsdiskussion "Mein Bauch gehört mir"

SJ fordert politische Umsetzung des Frauenrechts auf Schwangerschaftsabbruch

Oberpullendorf, 03.02.2012

Burgenland ist bis dato das einzige Bundesland in dem Abtreibungen weder in privaten noch öffentlichen Kliniken stattfinden. Bisher wurde dieses Frauenrecht durch fadenscheinige Argumente, wie fehlende Anonymität und vermeintlicher Themenüberschneidung mit "künstliche Befruchtung" infrage gestellt.

Für die AktivistInnen der SJ sind dies lediglich Ausreden um die Bevormundung der Frauen aufrecht zu erhalten. Dem schloss sich auch das vierköpfige Podium an, dem unter anderem Doris Horvath, als Vertreterin der Frauenberatungszentren Burgenlands, und Maga Andrea Mautz, Bundesgeschäftsführerin der SPÖ-Frauen, angehörten. Aus der Diskussion ging hervor, dass aktuell nicht das Wohl der Frau im Fokus steht - wie es etwa über Jahre hinweg im Krankenhaus Oberpullendorf durch den Titel "Sanfte Geburt" vermittelt wurde - sondern anscheinend vielmehr die Frau auf ihre Fähigkeit zu Gebären reduziert wird. Leonie Tanczer, Moderatorin der Diskussion und Stv. Verbandsvorsitzende der SJ argumentiert deshalb: "Es ist meine Entscheidung ob ich ein Kind will oder nicht. Genauso wie eine ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft gegeben ist, muss dies auch im Falle einer ungewollten Schwangerschaft Teil der medizinischen Grundversorgung sein - und das auch im Burgenland." Problematisch finden es die AktivistInnen auch, dass es in Österreich, anders als in so gut wie allen westeuropäischen Ländern, keine Kostenübernahme von Verhütungsmitteln sowie Schwangerschaftsabbrüchen gibt. "Für uns als SJ ist deshalb klar, dass es nicht an der Umsetzbarkeit, sondern vielmehr am fehlenden politischen Willen liegt.", so Bezirksvorsitzender Michael Heindl. In selbe Horn stößt Dr. Christian Fiala, ärztlicher Leiter des Gynmed Ambulatoriums Wien: "Den burgenländischen PolitikerInnen fehlt anscheinend der Mut, den die Salzburger Landeshauptfrau Burgstaller damals aufbrachte."

Aus der Podiumsdiskussion ergehen deshalb 6 große Forderungspunkte: Die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruches muss auch im Burgenland gegeben sein und dies kann auch im Zuge der Etablierung von Frauengesundheitszentren umgesetzt werden. Weiters braucht es gesetzliche Maßnahmen, die den Schutz der Frauen vor religiös-fundamentalistischen AktivistInnen nach einem Abbruch gewährleisten, wie etwa Bannmeilen in Wien. Außerdem muss Schwangerschaftsabbruch auf Krankenschein ermöglicht werden und es braucht eine Kostenübernahme von Verhütungsmitteln, um nicht länger finanzielle Möglichkeiten über diese Fragen entscheiden zu lassen.

Dem ganzen zugrunde liegt aber auch, dass der Aufklärungsunterricht neu geregelt und von geschultem, externem Personal verpflichtend in allen Schulen stattfinden muss. Dies wurde besonders von Elisabeth Parzer vom Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch unterstützt. All diese Forderungen stellt die SJ Oberpullendorf schon seit langer Zeit und fordert nun endlich Einsicht und Umsetzungen von Seiten der Politik. Die SJ wird sich bis zur Realisierung der erwähnten Punkte auch weiterhin lautstark durch gezielte Aktionen für ihre Forderungen einzusetzen. Für Rückfragehinweise wenden Sie sich bitte an sj.op@gmx.at

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